Chet Baker Frauen

Das ist eine interessante Idee. Leider mangelt es in der Durchführung an Konsequenz. Am Anfang des Films wird die innere Brechung des Films noch deutlich herausgestellt: Da spielt Ethan Hawke den gerade aus dem Gefängnis entlassenen, dank Methadon clean gewordenen Chet Baker, der sich in einem Biopic nun selber spielt, um damit sein Comeback zu befördern. Die erste Szene von Born to be Blue ist die erste Szene dieses in Wahrheit niemals gedrehten Biopics: Sie führt zurück zu seinem triumphalen Debüt im Birdland Anfang der fünfziger Jahre.

Mit seinem sicheren, kühlen, lasziv lockenden Ton ist er der wahre Erfinder des Cool Jazz — ein halbes Jahrzehnt, bevor Miles Davis mit Birth of the Cool dem Genre das bekannteste Album schenkt. In der Nacht dieses ersten Triumphs verfällt er dann auch sogleich dem Heroin: Eine schöne Frau verführt ihn dazu, um interessanteren Sex mit ihm zu haben.

Doch wird der Wahrheitsgehalt dieser Szene sogleich relativiert: Als die Klappe fällt, schlüpft Baker aus seiner Rolle als Baker heraus und lässt seinen Regisseur wissen, dass seine Sucht in Wahrheit weit weniger romantisch begann und ohne Sex. Kaum ist dieser Kontrast etabliert, wird er aber auch schon wieder fallengelassen.

Eine Gruppe von Drogenhändlern verprügelt vor dem Studio den säumigen Schuldner und zertrümmert ihm dabei den Oberkiefer. Er gehört dem Filmproduzenten Dino De Laurentiis, der den damals in Italien lebenden Trompeter auslöste. Er wollte einen Film über diesen tragischen Helden drehen. In Wahrheit wurde der nie realisiert.

Und so wurde sein Streifen zum Biopic über einen Künstler, der ein Biopic über sein Leben dreht. Spielen ohne Zähne Der berühmte Jazzfotograf William Claxton hat das Paar oft fotografiert. Um Claxton kommt auch Regisseur Budreau nicht herum. Viele Szenen beginnen mit Bildern, die durch Claxtons Fotografien ikonisch geworden sind. Abgesehen von der Eingangsszene in der italienischen Gefängniszelle geht es im Film um Bakers Leben in den USA. Handlanger von Dealern schlagen ihm wegen ausstehender Rechnungen die Zähne aus.

Normalerweise wäre das das Ende eines professionellen Trompeters. Baker kämpft sich mit Zahnprothese zurück. Diese Phasen der Mühsal spielte Hawke besonders glaubwürdig. Bakers Trompetenspiel mimt er, der dafür eigens Unterricht nahm, perfekt. Zu hören ist allerdings der kanadische Trompeter Kevin Turcotte. Er tat es mit viel Herzblut und ähnlicher Anmutung wie Baker selbst, der diesen zu Herzen gehenden, androgynen Balladenstil entwickelt hat.

Dass Bakers Talent untrennbar mit Selbstzerstörung gepaart war, interessierte Hawke besonders.


„Born to be Blue“: Chet Bakers Nichtmusik im Kino – Filmstart & Trailer

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